Musa (Moses) gehört zu den bedeutendsten Propheten im Islam. Als einer der fünf Ulul-Azm (Propheten mit besonderer Standhaftigkeit) durchlebte er außergewöhnliche Prüfungen: Von seiner wundersamen Rettung als Baby über die Konfrontation mit Pharao bis zur Führung der Kinder Israels. Seine Geschichte wird im Koran über 130 Mal erwähnt und lehrt uns absolutes Gottvertrauen, Geduld und Standhaftigkeit im Glauben – selbst in aussichtslos erscheinenden Situationen.

Die Bedeutung der Geschichte Musas

Die Geschichte von Musa ﷺ ist die am häufigsten erwähnte Prophetengeschichte im Koran. Über 130 Mal wird sein Name an verschiedenen Stellen genannt. Warum? Weil diese Geschichte eine gewaltige Weisheit für uns bereithält.

Allah ﷻ möchte, dass wir über diese Geschichte nachdenken, ihre Bedeutung verstehen und die Lehren daraus ziehen. Würde man alle Weisheiten aus dieser einen Geschichte sammeln, könnte man damit Bände füllen. Denn sie zeigt nicht nur Musas ﷺ Prophetentum, sondern auch:

  • Den Umgang mit Tyrannen und Unterdrückung
  • Die Kraft des Glaubens in hoffnungslosen Situationen
  • Die Undankbarkeit der Menschen trotz offensichtlicher Zeichen
  • Die Barmherzigkeit und Weisheit Allahs ﷻ in Seinen Entscheidungen

Die Kinder Israels in Ägypten

Die Kinder Israels – die Nachkommen von Ya’qub ﷺ (Jakob), der auch Israel genannt wird – lebten seit Generationen in Ägypten. Wie kamen sie dorthin?

Das geht zurück auf die Geschichte von Yusuf ﷺ (Josef). Als Yusuf in Ägypten eine hohe Position erlangte, holte er seine Familie nach. Sie ließen sich dort nieder und ihre Nachkommen blieben über Generationen.

Mit der Zeit kam ein neuer Pharao an die Macht. (Pharao ist übrigens kein Name, sondern ein Titel – wie König oder Kaiser.) Dieser Pharao war ein gnadenloser Tyrann, der die Kinder Israels versklavte. Sie mussten die härteste Arbeit verrichten und wurden brutal unterdrückt.

Der Traum des Pharaos und das Massaker

Eines Nachts hatte Pharao einen Traum, der ihn zutiefst erschreckte. Als er erwachte, rief er seine Ratgeber und Traumdeuter zu sich. Ihre Interpretation war beunruhigend:

Von den Kindern Israels wird ein männliches Kind geboren werden. Durch seine Hand wird dein Königreich untergehen.

Es gibt auch eine andere Überlieferung: Bereits zur Zeit Ibrahims ﷺ (Abraham) soll prophezeit worden sein, dass aus seiner Nachkommenschaft jemand kommen wird, der die Herrschaft der ägyptischen Tyrannen beenden würde. Die Kinder Israels, die unter Pharaos Unterdrückung litten, erinnerten sich immer wieder an diese Verheißung.

Pharaos Reaktion war brutal: Er befahl die systematische Tötung aller männlichen Neugeborenen der Kinder Israels. Nur die Mädchen sollten am Leben bleiben. Seine Soldaten durchsuchten die Häuser und töteten gnadenlos jedes männliche Baby.

Doch dann merkten die Ratgeber etwas: Wenn sie alle männlichen Kinder töten, haben sie bald keine Sklaven mehr für die schwere Arbeit. Also änderten sie die Strategie: Ein Jahr wurden die Kinder getötet, das nächste Jahr nicht.

Die wundersame Geburt Musas

Hier liegt eine tiefe Weisheit Allahs ﷻ: Harun ﷺ, der ältere Bruder von Musa, wurde in dem Jahr geboren, in dem die Kinder nicht getötet wurden. Musa ﷺ dagegen kam in dem Jahr zur Welt, in dem die Massaker stattfanden.

Man würde denken: Wie unglücklich! Aber Allah ﷻ hatte einen perfekten Plan. Wäre Musa in dem „sicheren“ Jahr geboren worden, wäre er nie im Palast des Pharaos gelandet – und die gesamte Geschichte hätte anders verlaufen.

Noch erstaunlicher: Obwohl Musas Mutter hochschwanger war, erkannten die Soldaten ihre Schwangerschaft nicht. Allah ﷻ verbarg die Anzeichen. Das war das erste Wunder.

Als Musa geboren wurde, stand seine Mutter vor einem unmöglichen Problem: Wie sollte sie ein weinendes Baby vor den Soldaten verstecken, die ständig die Häuser durchsuchten?

Der Korb im Nil

Allah ﷻ gab der Mutter von Musa eine Eingebung:

„Wirf ihn in den Kasten und wirf ihn ins Wasser, und das Wasser soll ihn ans Ufer setzen, sodass ihn ein Feind von mir und ein Feind von ihm aufnimmt.“

Die Mutter legte Musa in einen Korb und setzte ihn auf das Wasser des Nils. Normalerweise band sie den Korb fest, damit er nicht wegtrieb. Doch eines Tages ließ Allah ﷻ sie vergessen, den Korb festzubinden.

Der Korb trieb davon – direkt zum Palast des Pharaos.

Stell dir die verzweifelte Situation der Mutter vor! Ihr Baby treibt auf dem Wasser, sie weiß nicht wohin, und die Soldaten suchen nach männlichen Babys, um sie zu töten.

„Und das Herz der Mutter Musas wurde leer. Beinahe hätte sie ihn offen bekannt gegeben, wenn Wir nicht ihr Herz gestärkt hätten, damit sie zu den Gläubigen gehöre.“

Allah ﷻ stärkte ihr Herz. Sie schickte ihre Tochter – Musas Schwester – los, um diskret dem Korb zu folgen.

Im Palast des Pharaos

Die Dienerinnen am Palast fanden den Korb mit dem Baby. Sie brachten ihn zu Asiya, der Frau des Pharaos. Als Asiya den Korb öffnete und das Baby sah, füllte Allah ﷻ ihr Herz mit Liebe für dieses Kind.

„Die Frau Pharaos sagte: ‚Er wird für mich und dich ein Grund zur Freude sein. Tötet ihn nicht. Vielleicht nützt er uns, oder wir nehmen ihn als Kind an.'“

Pharao wollte das Baby sofort töten. Doch Asiya intervenierte. Sie sah in diesem Kind etwas Besonderes und überredete ihren Mann, das Baby zu behalten.

Die Ironie: Der Tyrann, der alle männlichen Babys der Kinder Israels töten wollte, zieht ausgerechnet das Baby groß, das sein Untergang werden sollte.

Und tatsächlich: Musa ﷺ wurde später für Asiya zum Grund der Freude. Durch ihn fand sie zum Glauben und wurde eine der vier besten Frauen der Menschheitsgeschichte.

Das Problem mit der Amme

Das Baby Musa weinte und weinte. Niemand im Palast konnte ihn stillen – er weigerte sich, von irgendeiner Amme zu trinken. Sie suchten verzweifelt nach jemandem, der dieses Baby stillen könnte.

Zur gleichen Zeit war Musas Mutter voller Sorge. Doch sie hatte ihrer Tochter aufgetragen, dem Baby zu folgen. Die Schwester beobachtete aus der Ferne, was geschah.

Als sie sah, wie sie nach einer Amme suchten, trat sie hervor:

„Soll ich euch auf Hausleute hinweisen, die ihn für euch betreuen und ihm aufrichtig zugetan sein würden?“

Die Soldaten wurden misstrauisch: „Woher weißt du, dass das Baby diese Frau akzeptieren wird?“

Die kluge Schwester antwortete: „Unsere Absicht ist lediglich, den Herrscher zufriedenzustellen und uns der Frau des Pharaos zu nähern.“

Sie glaubten ihr. Sie brachten sie zu Musas Mutter – ohne zu wissen, dass es seine leibliche Mutter war. Und tatsächlich: Das Baby akzeptierte ihre Brust sofort.

„So brachten Wir ihn zu seiner Mutter zurück, damit sie frohen Mutes und nicht mehr traurig sei und damit sie wissen sollte, dass Allahs Versprechen wahr ist.“

Was für eine Lektion: Allah ﷻ hatte versprochen, das Baby zurückzubringen. Und Er hielt Sein Versprechen – auf eine Weise, die niemand voraussehen konnte.

Aufwachsen im Palast

Asiya wollte, dass die Mutter im Palast bleibt, um Musa zu stillen. Doch die Mutter lehnte ab – sie hatte einen Mann und andere Kinder zu Hause. Stattdessen schlug sie vor: Sie nimmt das Baby mit nach Hause, stillt es dort, und bringt es täglich zurück zu Asiya.

So wuchs Musa ﷺ die ersten Jahre bei seiner leiblichen Mutter auf – finanziert vom Palast des Pharaos!

Als Musa älter wurde und nicht mehr gestillt werden musste, kam er dauerhaft in den Palast. Asiya liebte ihn wie ihren eigenen Sohn. Er wuchs auf als Prinz von Ägypten.

Die Prüfung mit der glühenden Kohle

Als Musa noch ein Kleinkind war, etwa zwei Jahre alt, saß er auf dem Schoß des Pharaos. Spielerisch zog er am Bart des Pharaos, sodass dessen Kopf nach unten gezogen wurde.

Die Ratgeber des Pharaos wurden nervös. Sie erinnerten sich an die Prophezeiung: „Dieser wird dein Untergang sein!“ Sie drängten Pharao, das Kind zu töten.

Asiya handelte schnell. Sie sagte: „Er ist doch nur ein Baby! Er versteht nicht, was er tut. Lass uns testen, ob er wirklich versteht.“

Sie legten vor dem kleinen Musa zwei Dinge hin:

  • Glühende Kohle (oder ein brennendes Holzstück)
  • Perlen (oder Datteln)

Musa wollte nach den Perlen greifen – dem Wertvollen. Doch Allah ﷻ schickte einen Engel, der seine Hand zur glühenden Kohle lenkte. Musa berührte die Kohle und steckte seine Hand dann in den Mund.

Als Pharao das sah, überkam ihn tatsächlich Mitleid. Er entfernte Musas Hand vom Feuer. „Das ist nur ein Kind,“ sagte er. „Es versteht nicht.“

So wurde Musas Leben gerettet – durch ein Wunder Allahs ﷻ.

Der unbeabsichtigte Mord

Musa ﷺ wuchs heran als angesehener junger Mann im Palast. Durch seine Position als Adoptivsohn der Pharaonin genossen die Kinder Israels etwas mehr Freiheit – die Unterdrückung wurde etwas gelockert.

Eines Tages ging Musa durch die Stadt. Es war eine Zeit, zu der die meisten Menschen zu Hause waren (vielleicht zwischen Maghrib und Isha). Er sah zwei Männer miteinander kämpfen:

  • Einer war ein Israelit (von seinem Volk)
  • Der andere ein Ägypter

Der Israelit rief Musa um Hilfe. Musa wollte den Streit schlichten. Doch als der Ägypter auf ihn losging, gab Musa ihm einen Schlag zur Selbstverteidigung.

Der Mann starb.

Musa ﷺ war entsetzt. Er hatte nicht die Absicht gehabt, ihn zu töten – nur sich zu verteidigen. Sofort bat er Allah ﷻ um Vergebung:

„Das gehört zum Werk des Satans. Gewiss, er ist ein deutlicher Feind, der in die Irre führt.“

Am nächsten Tag war Musa wieder in der Stadt unterwegs. Da sah er denselben Israeliten – wieder in einen Streit verwickelt, diesmal mit einem anderen Ägypter!

Musa war wütend: „Du bist offenkundig einer, der wahrlich zu Gewalttaten verleitet!“

Als Musa auf den Israeliten zuging, um ihm harte Worte zu sagen, bekam der Angst. Er dachte, Musa wolle ihn töten wie gestern den Ägypter. Also schrie er laut:

„Oh Musa, willst du denn mich töten, wie du gestern eine Menschenseele getötet hast?“

Die Flucht nach Midian

Der Ägypter, mit dem der Israelit kämpfte, hörte diese Worte. Sofort lief er zu Pharao und berichtete: „Musa war es, der gestern den Ägypter getötet hat!“

Pharao gab den Befehl: „Findet Musa und tötet ihn!“

Ein Mann – ein Gläubiger aus der Familie des Pharaos, der seinen Glauben geheim hielt – hörte davon. Er lief los, nahm eine Abkürzung und erreichte Musa vor den Soldaten.

„Oh Musa! Die führende Schar berät über dich, um dich zu töten. So geh fort! Gewiss, ich gehöre zu denjenigen, die dir guten Rat geben.“

Musa zögerte nicht eine Sekunde. Ohne nach Hause zu gehen, ohne Proviant zu packen, ohne Plan – er floh sofort aus der Stadt. Er hatte nichts bei sich, kein Transportmittel, kein Essen.

„So ging er furchtsam aus ihr fort und hielt immer wieder Ausschau. Er sagte: ‚Mein Herr, errette mich vor dem ungerechten Volk!'“

Musa ﷺ lief und lief. Das Essen ging ihm aus. Er aß die Blätter der Bäume. Seine Füße waren wund von der langen, beschwerlichen Reise durch die Wüste.

Nach Tagen oder gar Wochen erreichte er schließlich die Stadt Midian (in der Gegend des heutigen Jordanien).

Das Treffen am Brunnen

Als Musa völlig erschöpft in Midian ankam, sah er einen Brunnen, um den sich viele Menschen versammelten – Männer, die ihre Tiere tränkten.

Etwas abseits standen zwei Frauen. Sie hielten ihre Tiere zurück, anstatt sie zum Brunnen zu führen. Warum? Damit sich ihre Tiere nicht mit den Tieren der Männer mischen und sie sich nicht in die Männermenge quetschen müssen.

Als Musa das sah, überkam ihn das, was einen echten Mann ausmacht: Der Wunsch, den Schwachen zum Sieg zu verhelfen.

„Was ist mit euch beiden?“, fragte er.

„Wir tränken unsere Tiere nicht, bis die Hirten ihr Vieh weggetrieben haben. Und unser Vater ist ein hochbetagter Greis.“

Das war aber noch nicht alles: Wenn die Männer fertig waren, legten sie gemeinsam einen schweren Stein auf den Brunnen, um ihn zu verschließen. Zehn Männer brauchte es, um diesen Stein zu bewegen! Die beiden Frauen hatten keine Chance.

Was taten sie also normalerweise? Sie warteten, bis alle weg waren, und sammelten die Wasserreste auf, die beim Schöpfen auf den Boden gefallen waren. Mit diesen Pfützen tränkten sie ihre Tiere.

Musa ﷺ stand auf, ging zum Brunnen und bewegte den Stein alleine. Er füllte den Eimer und stellte ihn den beiden Frauen zur Verfügung, damit sie in Ruhe ihre Tiere tränken konnten.

Dann, ohne weitere Worte, ging er. Es gab keinen Grund, weiter mit diesen fremden Frauen zu reden.

Das ist eine wichtige Lehre: Hilfe leisten, ohne unnötig mit dem anderen Geschlecht zu plaudern. Heute ist es normal geworden, dass Männer und Frauen ohne Grenzen miteinander scherzen und lachen. Doch Musa ﷺ zeigt uns das richtige Verhalten.

Unter dem Baum

Nach dieser erschöpfenden Reise setzte sich Musa unter den Schatten eines Baumes. Völlig am Ende seiner Kräfte, mit grünem Mund vom Essen der Blätter, hungrig und müde, sprach er ein Bittgebet aus tiefstem Herzen:

„Mein Herr, ich bin dessen bedürftig, was Du auch immer an Gutem zu mir herabsendest.“

Die Heirat

Die beiden Frauen gingen nach Hause – viel früher als sonst. Ihr Vater Shu’aib (ein rechtschaffener Mann, aber nicht der Prophet Shu’aib, der früher lebte) wunderte sich.

„Warum seid ihr heute so früh zurück?“

Sie erzählten von dem edlen Mann, der ihnen geholfen hatte. Der Vater sagte sofort: „Ruft ihn her!“

Eine der Töchter machte sich auf den Weg zu Musa. Und Allah ﷻ beschreibt ihren Gang:

„Da kam die eine von beiden zu ihm, indem sie verschämt einherging.“

Schamhaftigkeit – eine Eigenschaft, die heute selten geworden ist, aber die Essenz einer rechtschaffenen Frau ausmacht.

Das erste, was sie sagte: „Mein Vater ruft dich!“

Sofort, kein Raum für Missverständnisse. Nicht „ich rufe dich“, sondern „mein Vater“. Eine klare, keusche Kommunikation.

Musa ging zum Vater und erzählte, was geschehen war. Der Vater sagte:

„Fürchte dich nicht. Du bist dem ungerechten Volk entkommen.“

Eine der Töchter sagte dann: „Oh mein lieber Vater, nimm ihn in den Dienst. Denn der Beste, den du in den Dienst nehmen kannst, ist der Starke und Vertrauenswürdige.“

„Woher weißt du, dass er stark und vertrauenswürdig ist?“, fragte der Vater.

„Stark, weil er den Stein alleine bewegt hat. Vertrauenswürdig, weil er, als ich ihn rief, nicht vor mir herlaufen wollte, sondern ich sollte hinter ihm laufen. Und wenn er in die falsche Richtung ging, sollte ich einen Stein werfen, um ihm die Richtung zu zeigen.“

Der Vater bot Musa einen Deal an:

„Ich will dich mit einer dieser meiner beiden Töchter verheiraten, unter der Bedingung, dass du acht Jahre in meinem Dienst trittst. Wenn du sie aber auf zehn Jahre voll machst, so steht es bei dir.“

Musa stimmte zu. Und wie es sich für einen Mann vom Rang Musas gehört: Er arbeitete nicht acht, sondern zehn Jahre. Er wählte das Vollkommenere.

Die Rückkehr nach Ägypten

Nach zehn Jahren wollte Musa seine Familie in Ägypten wiedersehen. Er machte sich mit seiner Frau (und möglicherweise Kindern) auf den Weg.

Auf der Reise kam eine dunkle, kalte Nacht. Jedes Mal, wenn Musa versuchte, Feuer zu machen, funktionierte es nicht.

Plötzlich nahm er in der Ferne ein Feuer wahr.

„Bleibt hier“, sagte er zu seiner Familie. „Ich habe ein Feuer wahrgenommen. Vielleicht kann ich euch davon eine Nachricht bringen“ – damit meinte er den Weg – „oder ein Stück brennendes Holz, auf dass ihr euch daran wärmen könnt.“

Er ging alleine los. Warum? Weil dort möglicherweise fremde Männer waren, und er wollte nicht, dass seine Frau sich mit ihnen mischt.

Als er näher kam, sah er etwas Außergewöhnliches: Ein Feuer in einem Baum – aber der Baum verbrannte nicht. Im Gegenteil, je stärker das Feuer wurde, desto grüner wurde der Baum!

Die Berufung am brennenden Dornbusch

An diesem gesegneten Ort, im Tal Tuwa, am Berg Sinai, sprach Allah ﷻ direkt zu Musa:

„Oh Musa! Gewiss, Ich bin Allah, der Herr der Weltenbewohner.“

Deswegen wird Musa genannt: Kalimullah – derjenige, mit dem Allah direkt gesprochen hat.

Allah ﷻ fragte: „Was ist das, was du in deiner Rechten hältst?“

Allah wusste es natürlich. Aber Er fragte, um Musa die Angst zu nehmen – um die Situation zu entspannen.

„Das ist mein Stock“, antwortete Musa. „Ich stütze mich darauf und schlage damit für meine Schafe Blätter ab. Und ich gebrauche ihn auch noch zu anderen Zwecken.“

„Wirf ihn hin, oh Musa!“

Musa warf seinen Stock auf den Boden. Sofort verwandelte er sich in eine gewaltige Schlange, die sich rasend schnell bewegte!

Musa erschrak und floh.

„Oh Musa, komm her und fürchte dich nicht!“, rief Allah. „Du sollst zu denjenigen gehören, die in Sicherheit sind. Nimm sie und fürchte dich nicht. Wir werden sie in ihren früheren Zustand zurückbringen.“

Als Musa die Schlange ergriff, wurde sie wieder zum Stock.

Dann gab Allah ﷻ ihm das zweite Zeichen:

„Und stecke deine Hand in deinen Brustschlitz, so kommt sie weiß heraus – jedoch nicht von Übel befallen.“

Musa hatte einen dunklen Hauttyp. Als er seine Hand in seinen Gewand steckte und wieder herauszog, war sie strahlend weiß – ein leuchtendes Wunder!

Der Auftrag

Allah ﷻ gab Musa den Auftrag:

„Geh zu Pharao und seinen führenden Leuten. Gewiss, sie sind ein Volk von Frevlern.“

Musa hatte Bedenken:

„Mein Herr, ich habe eine Menschenseele von ihnen getötet, und so fürchte ich, dass sie mich töten.“

Dann bat er: „Auch mein Bruder Harun hat eine gewandtere Zunge. So sende ihn mit mir als Unterstützung, mich zu bestätigen. Denn ich fürchte, dass sie mich der Lüge bezichtigen.“

Allah ﷻ sagte:

„Wir werden deinen Arm durch deinen Bruder festigen und euch beiden eine Ermächtigung erteilen, so dass sie nicht zu euch gelangen können. Mit unseren Zeichen werdet ihr und diejenigen, die euch folgen, Sieger sein.“

Und Musa machte ein wunderbares Bittgebet – besonders wertvoll für jeden, der ein Sprachproblem hat:

„Mein Herr, weite mir meine Brust und erleichtere mir meine Aufgabe und löse den Knoten von meiner Zunge, so dass sie meine Worte verstehen.“

Die Konfrontation mit Pharao

Musa ﷺ und Harun ﷺ machten sich auf den Weg zum Palast des Pharaos. Der Tyrann, der Musa töten wollte. Der Mann, der behauptete, Gott zu sein.

Musa klopfte an die Tür.

„Wer ist da?“

„Musa.“

„Welcher Musa?“

„Musa ibn Imran.“

Sie öffneten. Stell dir den Mut vor: Er geht freiwillig in den Palast des Tyrannen, der ihn töten will!

„Geht beide hin mit unseren Zeichen. Wir sind mit euch und hören zu. Sagt zu Pharao: ‚Wir sind die Gesandten des Herrn der Weltenbewohner. Lass die Kinder Israels mit uns gehen!'“

Pharao war schockiert. Doch anstatt nachzudenken, antwortete er arrogant:

„Haben wir dich nicht als kleines Kind unter uns aufgezogen? Hast du nicht viele Jahre deines Lebens unter uns verbracht? Und du hast deine Tat begangen“ – damit meinte er den getöteten Ägypter – „und gehörst zu den Undankbaren!“

Musa antwortete:

„Ich habe sie damals verübt, als ich noch zu den Irregehenden gehörte“ – also unbeabsichtigt. „Und so floh ich vor euch, als ich Angst vor euch bekommen hatte. Doch dann schenkte mir mein Herr Urteilskraft und machte mich zu einem der Gesandten. Ist das etwa eine Gunst, die du mir vorhältst – dass du die Kinder Israels geknechtet hast?“

Anstatt zu glauben, fing Pharao eine leere Diskussion an:

„Und was ist denn der Herr der Weltenbewohner?“

„Der Herr der Himmel und der Erde und dessen, was dazwischen ist“, antwortete Musa.

Pharao wandte sich an seine Leute: „Hört ihr nicht zu?“

Musa sagte: „Er ist euer Herr und der Herr eurer Vorväter!“

Da sagte Pharao: „Euer Gesandter, der zu euch gesandt wurde, ist fürwahr besessen!“

Musa sagte: „Er ist der Herr des Ostens und des Westens und dessen, was dazwischen ist – wenn ihr nur begreifen würdet!“

Pharao drohte: „Wenn du dir einen anderen Gott als mich nimmst, werde ich dich ganz gewiss zu einem der Gefangenen machen!“

„Etwa auch, wenn ich dir etwas Deutliches bringe?“, fragte Musa.

„Dann bring es her – wenn du zu den Wahrhaftigen gehörst!“

Die Zeichen

Musa ﷺ warf seinen Stock auf den Boden. Sofort wurde er zu einer gewaltigen Schlange – für alle sichtbar!

Dann zog er seine Hand aus seinem Gewand heraus. Sie war strahlend weiß – ein leuchtendes Zeichen!

Pharao wandte sich an seine führende Schar:

„Dieser ist fürwahr ein kenntnisreicher Zauberer! Er will euch mit seiner Zauberei aus dem Land vertreiben. Was befehlt ihr nur?“

Sie sagten: „Stelle ihn und seinen Bruder zurück und schicke in die Städte Boten, die dir jeden kenntnisreichen Zauberer herbringen.“

Der Tag der Entscheidung

Ein Termin wurde vereinbart: Der Tag des Schmuckfestes – ein großer Festtag der Ägypter.

„Eure Verabredungszeit soll der Tag des Schmuckfestes sein, und die Menschen sollen am hellen Morgen versammelt werden.“

Warum wählte Musa diesen Tag? Weil viele Menschen anwesend sein würden. Und warum am hellen Morgen? Damit jeder sieht, wie Pharao bloßgestellt wird – in hellem Tageslicht, ohne Tricks.

Pharao sammelte alle Zauberer, die er finden konnte – die besten aus ganz Ägypten.

Vor dem Wettstreit sagte Musa zu ihnen:

„Wehe euch! Ersinnt nicht gegen Allah eine Lüge, sonst vertilgt Er euch durch eine Strafe!“

Diese Worte hatten Wirkung. Die Zauberer begannen, untereinander zu streiten und zu zweifeln.

„Entweder wirfst du oder wir werden es sein, die zuerst werfen“, sagten sie.

„Nein, vielmehr werft ihr zuerst!“, antwortete Musa.

Die Zauberer warfen ihre Stöcke und Seile. Durch ihre Zauberei erschien es, als würden sie sich wie Schlangen bewegen – eine optische Täuschung!

Als Musa das sah, empfand er Furcht. Doch Allah ﷻ hauchte ihm ein:

„Fürchte dich nicht! Du wirst die Oberhand gewinnen. Wirf hin, was in deiner Rechten ist, so verschlingt es, was sie gemacht haben.“

Musa warf seinen Stock. Er wurde zu einer gewaltigen, sich rasch bewegenden Schlange, die alle anderen „Schlangen“ verschlang!

Die Bekehrung der Zauberer

Als die Zauberer das sahen – echte Profis in der Kunst der Täuschung – erkannten sie sofort: Das ist keine Zauberei. Das ist ein echtes Wunder!

Sie warfen sich nieder und sagten:

„Wir glauben an den Herrn Haruns und Musas!“

Pharao war schockiert und wütend:

„Ihr glaubt an ihn, bevor ich es euch erlaube? Er ist wahrlich euer Ältester, der euch die Zauberei gelehrt hat!“

Eine absurde Behauptung – Musa hatte diese Leute nie zuvor getroffen!

„So werde ich euch ganz gewiss eure Hände und eure Füße wechselseitig abhacken und euch ganz gewiss an Palmenstämmen kreuzigen lassen!“

Wie reagierten die Zauberer? Diese Menschen, die erst seit wenigen Minuten Gläubige waren?

„Wir werden dich nicht dem vorziehen, was an klaren Beweisen zu uns gekommen ist und vor Demjenigen, Der uns erschaffen hat. So entscheide, was du entscheiden magst. Du entscheidest nur über dieses irdische Leben. Wir glauben an unseren Herrn, damit Er uns unsere Verfehlungen vergebe und auch die Zauberei, zu der du uns gezwungen hast. Und Allah ist besser und beständiger.“

Was für ein Iman! Was für eine Standhaftigkeit! Nach wenigen Minuten des Glaubens bereit, für die Wahrheit zu sterben.

Die Plagen

Pharao lehnte weiterhin ab zu glauben. Also schickte Allah ﷻ neun Zeichen über ihn und sein Volk:

  1. Der Stock (wurde zur Schlange)
  2. Die weiße Hand
  3. Jahre der Dürre und Trockenheit
  4. Mangel an Früchten
  5. Die Flut
  6. Die Heuschrecken
  7. Die Läuse
  8. Die Frösche
  9. Das Blut

Bei jeder Plage kamen sie weinend zu Musa:

„Oh Musa, bitte deinen Herrn, dass Er diese Strafe von uns wegnimmt, und wir werden dir glauben! Wir werden die Kinder Israels mit dir gehen lassen!“

Doch jedes Mal, wenn Allah ﷻ die Plage wegnahm, brachen sie ihr Wort!

In Bezug auf die Frösche: Es waren so viele, dass wenn einer seinen Mund öffnete, um zu essen, ein Frosch hineinsprang!

In Bezug auf das Blut: Wann immer die Ägypter Wasser aus dem Nil oder einer Quelle schöpften, verwandelte es sich in ihren Gefäßen in Blut!

Das Besondere: Diese Plagen trafen nur die Ägypter, nicht die Kinder Israels.

Die Flucht

Nach all diesen Zeichen offenbarte Allah ﷻ Musa:

„Zieh bei Nacht mit Meinen Dienern fort. Ihr werdet ja verfolgt werden.“

Die Kinder Israels baten Pharao vorher um Erlaubnis, außerhalb der Stadt ein Fest zu feiern. Sie baten um Gold und Schmuck als Leihgabe, damit die Frauen schön aussehen könnten. Pharao willigte ein – ahnungslos.

In derselben Nacht flohen sie. Leise, im Schutz der Dunkelheit, ihre Häuser gekennzeichnet für eine koordinierte Flucht.

Am nächsten Morgen erfuhr Pharao davon. Er war außer sich vor Wut:

„Diese sind wahrlich nur eine kleine Schar, und sie machen uns zornig, wir aber sind allesamt auf der Hut.“

Er bereitete seine gesamte Armee vor und zog mit ihnen aus – mit Pharao selbst an der Spitze!

Am Roten Meer

Die Kinder Israels bewegten sich langsam voran – Frauen, Kinder, alte Menschen. Die Armee Pharaos dagegen war schnell und bald hörten sie das Donnern der herannahenden Truppen.

Dann erreichten sie das Rote Meer.

  • Vor ihnen: Das gewaltige Meer
  • Rechts und links: Berge
  • Hinter ihnen: Die heranrasende Armee Pharaos

Eine aussichtslose Situation.

„Als die beiden Heere einander sahen, sagten die Gefährten Musas: ‚Wir werden für gewiss eingeholt!'“

Musa ﷺ war ganz hinten, um sicherzustellen, dass alle durchkommen. Wie ein echter Anführer.

Was sagte er in dieser hoffnungslosen Lage?

„Keineswegs! Mit mir ist mein Herr. Er wird mich rechtleiten.“

Absolutes Gottvertrauen. Kein Hauch von Zweifel. Das ist die Spitze des Tawakkul!

Allah ﷻ hauchte ihm ein:

„Schlag mit deinem Stock auf das Meer!“

Musa ﷺ schlug auf das Meer. Und das Meer spaltete sich!

Rechts und links türmten sich gewaltige Wände aus Wasser – wie riesige Berge. Kein einziger Tropfen fiel herunter! In der Mitte öffnete sich ein trockener Weg. Allah ﷻ schickte einen starken Wind, um den Boden zu trocknen.

Die Kinder Israels überquerten das Meer.

Der Untergang Pharaos

Pharao erreichte das gespaltene Meer. Er sah die gewaltigen Wasserwände rechts und links. Ein klares Zeichen Allahs ﷻ – direkt vor seinen Augen!

Sollte er durchgehen oder nicht? Er zögerte. Doch schließlich entschied er sich: „Ich gehe durch!“

Die gesamte Armee folgte ihm ins Meer. Als sie in der Mitte waren, befahl Allah ﷻ Musa, noch einmal auf das Meer zu schlagen.

Die gewaltigen Wasserwände stürzten ein. Die gesamte Armee wurde ertränkt.

In den letzten Momenten vor seinem Tod realisierte Pharao, dass er verloren hatte:

„Ich glaube, dass es keinen Gott gibt außer dem, an den die Kinder Israels glauben, und ich gehöre zu den Muslimen.“

Doch Allah ﷻ akzeptierte seine Reue nicht mehr. Warum? Weil man bereuen kann, solange die Seele noch nicht die Kehle erreicht hat. Pharao war im Zustand des Sterbens – da wird keine Reue mehr angenommen.

Und selbst in diesen letzten Momenten war er hochmütig: Er sagte nicht „Ich glaube an Allah“, sondern „an den Gott, an den die Kinder Israels glauben“ – als wäre Allah nicht auch sein Herr!

Jibril ﷺ (Gabriel) füllte Pharaos Mund mit Schlamm aus dem Meer. Warum? Aus Angst, dass ihm Barmherzigkeit zuteilwerden könnte.

„Heute wollen Wir dich mit deinem Leib erretten, damit du für diejenigen, die nach dir kommen, ein Zeichen seist.“

Pharaos Leiche wurde ans Ufer gespült – damit jeder sehen konnte, dass er wirklich tot war.

Dieser Tag – der 10. Muharram – ist der Tag von Ashura. Aus Dankbarkeit für diese Rettung fastete Musa ﷺ an diesem Tag. Als der Prophet Muhammad ﷺ nach Medina kam und sah, dass die Juden diesen Tag fasteten, sagte er:

„Ich habe mehr Anrecht auf Musa als ihr!“

Er fastete den Tag und befahl, auch den 9. Muharram mitzufasten, um sich von den Juden zu unterscheiden. Wer diesen Tag fastet, dem werden die Sünden des vergangenen Jahres vergeben!

In der Wüste: Die Undankbarkeit

Kaum hatten sie das Meer überquert, trafen sie auf ein Volk, das Götzen anbetete – Statuen in Form von Kühen.

Die Kinder Israels sagten zu Musa:

„Oh Musa, mache uns einen Gott, so wie sie Götter haben!“

Subhanallah! Gerade erst von Pharao befreit, gerade die größten Wunder gesehen – und schon wollen sie Schirk (Götzendienst) begehen!

Musa ﷺ war zornig:

„Ihr seid ja Leute, die töricht sind! Gewiss, was diese da betreiben, wird zerstört, und zunichte wird, was sie zu tun pflegten. Soll ich für euch einen anderen Gott begehren als Allah, wo Er euch vor den anderen Weltenbewohnern bevorzugt hat?“

Das geheiligte Land

Allah ﷻ hatte den Kindern Israels Palästina versprochen – das geheiligte Land. Als sie sich dem Ziel näherten, sagte Musa:

„Oh mein Volk! Tretet in das geheiligte Land ein, das Allah für euch bestimmt hat, und kehrt nicht den Rücken, denn dann werdet ihr als Verlierer zurückkehren.“

In diesem Land lebten aber starke, kriegerische Völker. Die Antwort der Kinder Israels?

„Oh Musa, in ihm ist ein übermächtiges Volk! Wir werden es gewiss nicht betreten, bis sie aus ihm herausgehen.“

Also: Sie erwarteten ernsthaft, dass die Bewohner einfach rausspazieren und sagen: „Bitte schön, hier ist euer Land!“

Zwei rechtschaffene Männer sagten:

„Tretet gegen sie durch das Tor ein! Wenn ihr dadurch eintretet, dann werdet ihr Sieger sein. Und verlasst euch auf Allah, wenn ihr gläubig seid!“

Doch die Kinder Israels antworteten mit einer der unverschämtesten Aussagen der Geschichte:

„Oh Musa, gewiss, wir werden es niemals betreten, solange sie darin sind. Geh doch du und dein Herr und kämpft! Wir werden hier sitzen bleiben.“

„Geh du und dein Herr“ – nicht mal „unser Herr“! Als wäre Allah ﷻ nicht auch ihr Herr!

Musa ﷺ wandte sich an Allah ﷻ:

„Mein Herr, ich habe keine Macht außer über mich selbst und meinen Bruder. So trenne zwischen uns und dem frevlerischen Volk!“

Allah ﷻ sagte:

„So soll es ihnen verwehrt sein für vierzig Jahre! Sie werden auf der Erde umherirren. So sei nicht betrübt über das frevlerische Volk.“

Vierzig Jahre lang mussten sie in der Wüste umherirren – als Strafe für ihre Feigheit und Undankbarkeit.

Die Geschichte der Kuh

Während der vierzig Jahre in der Wüste passierte folgendes: Ein reicher Mann aus den Kindern Israels wurde getötet. Der Mörder war unter ihnen – aber sie konnten ihn nicht ermitteln.

Sie gingen zu Musa: „Oh Musa, bitte deinen Herrn, dass Er uns mitteilt, wer der Mörder ist!“

Allah ﷻ offenbarte Musa:

„Allah befiehlt euch, dass ihr eine Kuh schlachten sollt.“

Sie dachten: Wir fragen nach einem Mörder, und Er sagt, wir sollen eine Kuh schlachten?

„Machst du dich über uns lustig?“, fragten sie.

„Ich nehme Zuflucht bei Allah, dass ich zu den Unwissenden gehöre!“, antwortete Musa.

Hier beginnt eine Geschichte, die zeigt, wie die Kinder Israels sich selbst das Leben unnötig schwer machten:

„Bitte für uns deinen Herrn, uns Klarheit zu geben, wie sie sein soll.“

Hätten sie einfach irgendeine Kuh geschlachtet, wäre die Sache erledigt gewesen. Aber nein – sie mussten nachfragen!

„Es soll eine Kuh sein, weder zu alt noch zu jung, sondern mittleren Alters.“

„Welche Farbe soll sie haben?“

„Eine gelbe Kuh von lebhafter Farbe, die die Betrachter erfreut.“

Immer noch nicht zufrieden: „Bitte für uns deinen Herrn, uns Klarheit zu geben, wie sie sein soll. Die Kühe erscheinen uns alle ähnlich.“

„Es soll eine Kuh sein, nicht fügsam gemacht durch Pflügen der Erde noch durch Bewässern von Saatfeld, fehlerfrei und makellos.“

Mit jeder Frage machten sie es sich schwerer! Am Ende fanden sie eine solche Kuh bei einem jungen Mann. Sein Vater war gestorben und hatte ihm diese Kuh hinterlassen – eine Kuh, die alle diese Eigenschaften hatte!

Der Junge war gütig gegenüber seiner Mutter. Als ein Engel kam und ihm einen hohen Preis anbot, sagte er: „Erst muss ich meine Mutter fragen.“ Der Engel testete seine Ehrlichkeit, aber der Junge blieb standhaft.

Am Ende verkaufte er die Kuh für ihr Gewicht in Gold! Sie hatten es sich selbst schwer gemacht.

Sie schlachteten die Kuh. Mit einem Stück von ihr schlugen sie auf den Toten. Allah ﷻ erweckte ihn für einen kurzen Moment zum Leben:

„Wer hat dich getötet?“

„Der Sohn meines Bruders.“

So wurde der Mörder entlarvt.

Die Geschichte von Karun (Korah)

Karun war der Cousin von Musa – der Sohn seines Onkels väterlicherseits. Allah ﷻ gab ihm gewaltigen Reichtum:

„Wir gaben ihm solche Schätze, dass deren Schlüssel wahrlich eine schwere Last für eine ganze Schar kräftiger Männer gewesen wären.“

Stell dir das vor: Nicht der Schatz selbst – nur die Schlüssel mussten von 10 bis 40 starken Männern getragen werden!

Doch anstatt dankbar zu sein, wurde Karun arrogant. Das Geld füllte sein Herz mit Hochmut. Er unterdrückte die Kinder Israels und prahlte mit seinem Reichtum.

Die Leute sagten zu ihm:

„Sei nicht übermütig froh, denn Allah liebt nicht diejenigen, die übermütig froh sind. Trachte mit dem, was Allah dir gegeben hat, nach der jenseitigen Wohnstätte. Vergiss aber auch nicht deinen Anteil am Diesseits.“

Seine Antwort?

„Es ist mir nur gegeben worden aufgrund von Wissen, das ich besitze!“

In anderen Worten: Allah liebt mich, deshalb bin ich reich. Hätte Er mich nicht geliebt, hätte Er mir das nicht gegeben.

Das ist eine gefährliche Täuschung des Satans! Viele reiche Menschen heute denken genauso: „Ich bin erfolgreich, also muss Allah mit mir zufrieden sein!“

Die Wahrheit: Reichtum hat nichts mit Allahs Zufriedenheit zu tun. Die besten Menschen – die Propheten – waren oft arm! Der Prophet Muhammad ﷺ hatte manchmal tagelang nichts zu essen.

Eines Tages trat Karun heraus in einer prunkvollen Parade. Mit all seinem Schmuck, seinen Bediensteten, seinen Wachen.

Die Leute, die das Diesseits liebten, sagten:

„Oh, hätten doch auch wir das gleiche, was Karun gegeben worden ist! Er hat wahrlich gewaltiges Glück!“

Genau wie heute! Menschen sehen im Internet die Autos, Häuser und den Luxus anderer und sagen: „Hätte ich doch das!“

Doch die Gelehrten sagten:

„Wehe euch! Allahs Belohnung ist besser für jemanden, der glaubt und rechtschaffen handelt.“

Während Karun seine Show abzog, ließ Allah ﷻ die Erde ihn verschlingen!

„Da ließen Wir mit ihm und mit seiner Wohnstätte die Erde versinken.“

In einem einzigen Augenblick war alles vorbei. Sein Reichtum, sein Palast, seine Leute – alles versank in die Tiefe.

Die Menschen, die ihn noch gestern beneidet hatten, sagten plötzlich:

„Ach! Allah gewährt die Versorgung großzügig, wem von Seinen Dienern Er will, und bemisst auch. Wenn Allah uns nicht eine Wohltat erwiesen hätte, hätte Er uns wahrlich auch versinken lassen!“

„Das ist die jenseitige Wohnstätte. Wir bestimmen sie für diejenigen, die weder Überheblichkeit auf der Erde noch Unheil begehren. Und das gute Ende gehört den Gottesfürchtigen.“

Die Begegnung mit Al-Khidr

Eines Tages predigte Musa ﷺ bei den Kindern Israels. Jemand fragte ihn:

„Wer ist der wissendste Mensch?“

Musa sagte: „Ich.“

Allah ﷻ kritisierte ihn dafür, dass er das Wissen nicht Allah zuschrieb. Es wäre besser gewesen zu sagen: „Allah weiß es am besten.“

Allah ﷻ offenbarte ihm:

„Ein Diener unter Meinen Dienern ist an der Kreuzung zweier Meere, der mehr Wissen hat als du.“

„Wie erreiche ich ihn?“, fragte Musa.

„Nimm einen Fisch in einem Behälter mit. Wo der Fisch herausspringt, dort wirst du ihn finden.“

Musa ﷺ machte sich mit seinem Diener Yusha‘ bin Nun auf die Reise. An einem Felsen rasteten sie. Dort erweckte Allah ﷻ den toten Fisch wieder zum Leben. Er sprang aus dem Behälter ins Wasser.

Yusha‘ sah das, vergaß aber, Musa davon zu erzählen. Sie reisten weiter.

Am nächsten Tag sagte Musa: „Bring uns unser Mittagessen! Wir haben durch diese Reise viel Mühsal erlitten.“

Da erinnerte sich Yusha‘: „Siehst du, als wir bei dem Felsen Rast machten, da habe ich den Fisch vergessen! Es ließ mich ihn nur der Satan vergessen, ihn dir zu erwähnen.“

„Das ist es, was wir suchten!“, rief Musa.

Sie kehrten zurück und fanden dort Al-Khidr.

„Darf ich dir folgen, auf dass du mich von dem lehrst, was dir an Besonnenheit gelehrt worden ist?“, fragte Musa.

Al-Khidr antwortete: „Du wirst es bei mir nicht aushalten. Wie willst du es auch aushalten, wovon du keine umfassende Kenntnis hast?“

„Du wirst mich, so Allah will, standhaft finden“, versprach Musa.

„Wenn du mir folgen willst, dann frage mich nach nichts, bis ich selbst es dir gegenüber erwähne.“

Drei rätselhafte Taten

Sie bestiegen ein Schiff. Die Leute auf dem Schiff nahmen sie kostenlos mit. Doch Al-Khidr machte ein Loch in das Schiff!

„Hast du ein Loch darin gemacht, um seine Besatzung ertrinken zu lassen?“, fragte Musa entsetzt.

„Habe ich nicht gesagt, dass du es bei mir nicht aushalten wirst?“

„Tadle mich nicht für das, was ich vergessen habe“, bat Musa.

Sie gingen weiter. Da sahen sie einen Jungen mit anderen Jungen spielen. Al-Khidr tötete ihn!

„Hast du eine unschuldige Seele getötet?“, rief Musa. „Du hast ja eine verwerfliche Sache begangen!“

„Habe ich nicht zu dir gesagt, dass du mich nicht ertragen kannst?“

„Wenn ich dich noch einmal nach irgendetwas frage, dann lass mich dich nicht mehr begleiten.“

Sie kamen zu einer Stadt und baten um Essen. Doch die Bewohner verweigerten ihnen jegliche Gastfreundschaft.

Da fanden sie eine Mauer, die kurz davor war einzustürzen. Al-Khidr richtete sie auf.

„Wenn du wolltest, hättest du dafür wahrlich Lohn nehmen können!“, sagte Musa.

„Das ist die Trennung zwischen mir und dir. Ich werde dir jetzt die Deutung dessen kundtun, was du nicht aushalten konntest.“

Die Erklärungen:

Das Schiff: „Es gehörte armen Leuten, die auf dem Meer arbeiteten. Ich wollte es schadhaft machen, denn ein König war hinter ihnen her, der jedes Schiff mit Gewalt wegnahm.“

Der Junge: „Seine Eltern waren gläubige Menschen. Wir fürchteten, dass er sie durch seine Auflehnung und seinen Unglauben bedrücken würde. So wollten wir, dass ihr Herr ihnen zum Tausch einen besseren gibt.“

Die Mauer: „Sie gehörte zwei Waisenjungen. Unter ihr befand sich ein für sie bestimmter Schatz. Ihr Vater war rechtschaffen. Da wollte dein Herr, dass sie erst ihre Vollreife erlangen und dann ihren Schatz hervorholen – aus Barmherzigkeit.“

Dann kam ein Vogel und pickte etwas Wasser aus dem Meer. Al-Khidr sagte:

„Mein Wissen und dein Wissen ist im Vergleich zum Wissen Allahs so viel, wie dieser Vogel von diesem Meer genommen hat.“

Der Tod Musas

Eines Tages kam der Todesengel zu Musa. Musa erkannte ihn nicht und gab ihm einen Schlag. Das Auge des Todesengels fiel heraus!

Der Engel kehrte zu Allah zurück: „Du hast mich zu einem Diener geschickt, der den Tod nicht will.“

Allah ﷻ setzte sein Auge zurück und sagte: „Kehre zurück. Er soll seine Hand auf einen Stier legen, und für jedes Haar, das er greifen kann, bekommt er ein Jahr.“

Der Todesengel kehrte zurück und erklärte es Musa.

„Was ist danach?“, fragte Musa.

„Dann kommt der Tod.“

„Dann will ich jetzt sterben“, sagte Musa.

Warum sollte er noch länger leben, wenn am Ende sowieso der Tod kommt?

Doch er hatte eine letzte Bitte:

„Bringe mich nah an die geheiligte Erde“ – einen Steinwurf entfernt von Jerusalem.

Er wollte nah bei dem Land begraben werden, das er zu Lebzeiten nicht einnehmen konnte.

So starb einer der größten Propheten aller Zeiten – Musa ﷺ, der mit Allah ﷻ direkt sprach.

Was wir von Musa lernen können

Die Geschichte von Musa ﷺ ist voller Lehren:

  • Absolutes Gottvertrauen: Am Roten Meer sagte er ohne jeden Zweifel: „Mit mir ist mein Herr!“
  • Mut und Standhaftigkeit: Er ging zum Palast des Tyrannen, der ihn töten wollte
  • Die Schwachen unterstützen: Am Brunnen half er sofort den zwei Frauen
  • Geduld mit undankbaren Menschen: Die Kinder Israels waren extrem undankbar, doch er blieb standhaft
  • Demut trotz Wissen: Selbst als einer der wissendsten Menschen seiner Zeit war er bereit, von Al-Khidr zu lernen
  • Bescheidenheit im Umgang mit dem anderen Geschlecht: Er half den Frauen und ging, ohne unnötig zu reden
Der Glaube
an die Propheten

Alle Propheten gehörten der Religion des Islam an: Die vollständige Unterwerfung unter den Willen Allahs.