Allah hat Propheten gesandt, um die Menschen von der Dunkelheit zum Licht zu führen. Diese Propheten kamen alle mit derselben Kernbotschaft – dem Tauhid (Einheit Allahs). Doch trotz dieser klaren Führung haben sich unter den Muslimen verschiedene Gruppen gebildet. Welche davon folgt dem wahren Weg? Und warum gibt es überhaupt diese Spaltung?
Worum geht es?
- 1 Die Grundlage des Glaubens: Die sechs Säulen des Iman
- 2 Ein Weg in der Aqidah, mehrere Wege im Fiqh
- 3 Der eine gerade Weg
- 4 Die 73 Gruppen und die errettete Gruppe
- 5 Die scheinbare Widersprüchlichkeit lösen
- 6 Wer sind die Ahl-us-Sunnah wal-Jama’ah?
- 7 Die richtige Methode bei Meinungsverschiedenheiten
- 8 Wie die Sahaba mit Abweichungen umgingen
- 9 Die Wichtigkeit der Aqidah wird oft unterschätzt
- 10 Die richtige Aqidah bezüglich Allahs Namen und Eigenschaften
Die Grundlage des Glaubens: Die sechs Säulen des Iman
Der islamische Glaube (Iman) basiert auf sechs wesentlichen Säulen, die in der bekannten Überlieferung von Jibril genannt werden:
- Der Glaube an Allah
- Der Glaube an Seine Engel
- Der Glaube an Seine Bücher
- Der Glaube an Seine Gesandten
- Der Glaube an den Tag der Auferstehung
- Der Glaube an die Vorherbestimmung (gut oder schlecht)
Diese sechs Säulen bilden die Aqidah (islamische Glaubenslehre), und ohne sie ist der Glaube einer Person ungültig.
Ein Weg in der Aqidah, mehrere Wege im Fiqh
Eine wichtige Grundregel: Vielfalt in der Aqidah wird abgelehnt, während Vielfalt im Fiqh (islamisches Recht) akzeptiert wird.
Im Fiqh ist es kein Problem, dass es mehrere Rechtsschulen gibt (Hanafi, Maliki, Shafi’i, Hanbali). Man kann einer dieser Schulen folgen, ohne den Anhängern anderer Schulen vorzuwerfen, sie seien auf einem falschen Weg.
Bei der Aqidah jedoch gibt es nur einen richtigen Weg. Die Wahrheit ist nur eine, und es kann nicht mehrere Wahrheiten geben.
Der eine gerade Weg
Allah sagt im Koran in Surah Al-Fatiha, die wir täglich 17 Mal rezitieren:
Der Prophet zeichnete einmal einen geraden Strich und sagte:
“Das ist der Weg Allahs.”
Dann zog er Striche rechts und links davon und sagte:
“Und auf jedem dieser abschweifenden Wege ist ein Satan, der zu diesem Weg aufruft.”
Dann rezitierte er den Vers:
“Dies ist mein Weg, ein gerader, so folgt ihm. Und folgt nicht den anderen Wegen, damit sie euch nicht von Seinem Weg auseinanderführen.” (6:153)
Allah beschreibt in Surah Al-Fatiha die anderen Wege nicht einmal als “Wege”, sondern sagt:
“Nicht die, auf die Du zornig bist, und auch nicht die Irregeleiteten.”
Die 73 Gruppen und die errettete Gruppe
Der Prophet Muhammad sagte in einer bekannten Überlieferung:
“Diese Ummah wird sich in 73 Gruppen spalten. Alle sind im Feuer außer eine.”
Als er gefragt wurde, wer diese eine Gruppe sei, antwortete er:
“Das, worauf ich bin und meine Gefährten.”
Diese Überlieferung ist authentisch, wenn man die verschiedenen Überlieferungswege zusammennimmt. Die errettete Gruppe ist also diejenige, die dem Weg des Propheten und seiner Gefährten folgt.
Die scheinbare Widersprüchlichkeit lösen
Hier entsteht eine scheinbare Widersprüchlichkeit:
- Einerseits spricht der Prophet von einer Spaltung und irregehenden Gruppen
- Andererseits ruft er dazu auf, an der Gemeinschaft (Jama’ah) festzuhalten und sich nicht zu spalten
Wie lässt sich das vereinbaren?
Die Antwort liegt darin, dass mit “Jama’ah” nicht irgendeine Gemeinschaft gemeint ist, sondern die errettete Gruppe – diejenigen, die auf dem geraden Weg bleiben.
In einer Überlieferung wird diese Gruppe als “Al-Jama’ah” bezeichnet.
Wenn der Prophet davor warnt, sich zu spalten, meint er also nicht, dass man jene, die bereits vom geraden Weg abgekommen sind, als Teil der Gemeinschaft betrachten soll.
Er warnt vielmehr davor, sich von der wahren Gemeinschaft – den Anhängern seines Weges – abzuspalten.
Wer sind die Ahl-us-Sunnah wal-Jama’ah?
Die errettete Gruppe wird als “Ahl-us-Sunnah wal-Jama’ah” bezeichnet. Sie folgt dem Weg und der Methode (Manhaj) des Propheten und seiner Gefährten.
Der Prophet sagte:
“Es wird immer eine Gruppe von meiner Ummah geben, die auf der Wahrheit ist. Ihnen wird nicht schaden, wer sie verrät, bis der Befehl Allahs kommt, und sie sind in diesem Zustand.” (Muslim)
Abdullah Ibn al-Mubarak, einer der größten Imame des Islam, wurde gefragt, wer diese Gruppe sei. Er antwortete:
“Sie sind bei mir die Leute des Hadith.”
Damit meinte er die großen Gelehrten wie Imam Ahmad, Imam Malik, Imam Shafi’i und andere, die dem Weg der Sahaba folgten.
Imam Bukhari sagte ebenfalls, dass mit dieser Gruppe die Leute des Hadith gemeint sind.
Die richtige Methode bei Meinungsverschiedenheiten
Allah gibt uns im Koran eine klare Anweisung, wie wir mit Meinungsverschiedenheiten umgehen sollen:
“Wenn ihr euch in einer Sache streitet, dann führt es zurück zu Allah und Seinem Gesandten, wenn ihr an Allah und den Jüngsten Tag glaubt.” (4:59)
Die Lösung für alle Probleme der Muslime besteht darin, zu Allah und Seinem Gesandten zurückzukehren – also zum Koran und zur Sunnah nach dem Verständnis der Salaf (rechtschaffenen Vorfahren).
Wie die Sahaba mit Abweichungen umgingen
Wie gingen die Gefährten des Propheten mit Leuten um, die von der richtigen Aqidah abwichen? Die Geschichte von Abdullah Ibn Umar ist aufschlussreich:
Als einige Leute auftauchten, die den Qadar (Vorherbestimmung) leugneten, sagte Ibn Umar:
“Wenn du diese Leute triffst, dann sag ihnen, dass ich mich von ihnen lossage und dass sie sich von mir lossagen.”
Er fügte hinzu:
“Würde einer von ihnen Gold in der Menge des Berges Uhud spenden, so würde Allah es nicht von ihm annehmen, bis er an den Qadar glaubt.”
Dies zeigt, wie wichtig die richtige Aqidah ist. Ibn Umar hat sich nicht nur von diesen Leuten distanziert, sondern auch klargemacht, dass ihre guten Taten ohne den richtigen Glauben nicht angenommen werden.
Die Wichtigkeit der Aqidah wird oft unterschätzt
Heutzutage hört man oft den Einwand: “Wie könnt ihr über Aqidah sprechen, während die muslimische Ummah so viele Probleme hat und Muslime in aller Welt leiden?”
Diese Sichtweise ist problematisch aus mehreren Gründen:
- Sie zeigt schlechtes Benehmen gegenüber Allah: Es ist respektlos, das Wissen über Allahs Namen und Eigenschaften als unwichtig abzutun, wenn Allah selbst sagt: “Ich habe die Jinn und die Menschen nur erschaffen, damit sie Mir dienen.” (51:56) Und zum Dienen gehört, Allah zu kennen.
- Die Probleme der Muslime kommen daher, dass sie ihre Religion gering geschätzt haben: Die heutige Schwäche der muslimischen Gemeinschaft ist gerade darauf zurückzuführen, dass sie nicht gelernt haben, wer Allah ist und wie man Ihn richtig fürchtet.
- Es ist genau das Argument der Götzendiener gegen den Propheten: Sie sagten zu ihm: “Du spaltest die Familien und die Gesellschaft.” Diese Argumentation wird heute von denen wiederholt, die nicht über Aqidah sprechen wollen.
Die richtige Aqidah bezüglich Allahs Namen und Eigenschaften
Ein zentraler Punkt der Aqidah ist, wie man an Allahs Namen und Eigenschaften glaubt. Hier gibt es zwei extreme Positionen, die beide falsch sind:
- Die Mushabbihah: Sie vergleichen Allah mit Seiner Schöpfung, indem sie zum Beispiel sagen: “Allahs Hand ist wie unsere Hand.” Dies ist Kufr (Unglaube).
- Die Mu’attilah: Sie leugnen Allahs Eigenschaften oder interpretieren sie um. Zum Beispiel sagen sie, wenn Allah im Koran von Seiner “Hand” spricht, sei damit Seine “Macht” oder Seine “Gnade” gemeint. Auch dies ist falsch.
Der richtige Weg der Ahl-us-Sunnah liegt in der Mitte:
- Wir bestätigen alle Eigenschaften, die Allah Sich Selbst im Koran und in der Sunnah zugeschrieben hat
- Wir glauben, dass diese Eigenschaften Seiner Majestät angemessen sind
- Wir fragen nicht nach dem “Wie” dieser Eigenschaften, da Allah uns dies nicht mitgeteilt hat
- Wir vergleichen Allah nicht mit Seiner Schöpfung, denn: “Nichts ist Ihm gleich, und Er ist der Allhörende, der Allsehende.” (42:11)
Imam Malik wurde einmal über den Vers gefragt, in dem es heißt, Allah habe Sich über den Thron erhoben. Er antwortete:
“Das ‘Wie’ können wir nicht begreifen, der Istiwaa (das Erheben) ist nicht unbekannt, der Glaube daran ist Pflicht, und danach zu fragen ist eine Neuerung.”