Nach dem Tod des Propheten Muhammad ﷺ wuchs die islamische Gemeinschaft. Gelehrte in verschiedenen Regionen entwickelten Methoden, um den Koran und die Sunnah zu interpretieren.
Daraus entstanden die vier großen Rechtsschulen:
- Hanafi – Gegründet von Imam Abu Hanifa
- Maliki – Gegründet von Imam Malik
- Shafi’i – Gegründet von Imam Ash-Shafi’i
- Hanbali – Gegründet von Imam Ahmad ibn Hanbal
Diese Gelehrten hatten ein gemeinsames Ziel: Den Islam nach bestem Wissen und Gewissen zu verstehen und anzuwenden.
Rechtsschulen sind Wegweiser, keine Pflicht. Ein Muslim darf einer Rechtsschule folgen – aber wenn er einen klaren Beweis aus dem Koran oder der Sunnah findet, muss er diesem folgen.
Was macht eine Rechtsschule?
Eine Rechtsschule hilft, islamische Gesetze auf neue Situationen anzuwenden.
Sie stellt Regeln auf, wenn eine Angelegenheit nicht direkt im Koran oder in der Sunnah geregelt ist.
Jede Rechtsschule nutzt dabei vier Hauptquellen:
- Den Koran – die höchste Autorität im Islam.
- Die Sunnah – die Aussagen und Handlungen des Propheten Muhammad ﷺ.
- Den Ijma‘ (Konsens) – die Einigung der Gelehrten zu einer bestimmten Angelegenheit.
- Den Qiyas (analoges Schlussfolgern) – wenn es keine direkte Antwort im Koran oder der Sunnah gibt, wird eine Entscheidung basierend auf ähnlichen Fällen getroffen.
Rechtsschulen geben Muslimen eine strukturierte Methode, um den Islam richtig zu praktizieren – besonders in komplexen Fragen, die nicht direkt in den Quellen behandelt werden.
Was unterscheidet die Rechtsschulen voneinander?
Obwohl alle vier Schulen den Koran und die Sunnah als Hauptquelle nehmen, unterscheiden sie sich in ihrer Methodik.
- Hanafi: Nutzt stark den Qiyas (analoges Denken) und den Istihsan (Präferenz für mildere Urteile). Deshalb ist diese Schule oft flexibler in neuen Situationen.
- Maliki: Stützt sich stark auf die Praxis der Bewohner von Medina, weil sie nahe zur Zeit des Propheten ﷺ lebten. Tradition spielt hier eine große Rolle.
- Shafi‘i: Setzt den Koran und die Sunnah über alles, aber hält sich auch an den Ijma’ (Konsens der Gelehrten). Diese Schule hat ein besonders klares Regelwerk.
- Hanbali: Hält sich sehr strikt an die Sunnah und vermeidet Qiyas, wenn es nicht nötig ist. Die hanbalitische Schule ist meist strenger in vielen Angelegenheiten.
Jede Schule hat ihre eigene Herangehensweise, aber keine von ihnen ist die einzig richtige. Sie alle haben ihre Beweise und ihre Methoden, um islamisches Recht richtig zu verstehen.