Khalid ibn al-Walid: Das Schwert Allahs

Khalid ibn al-Walid war ein außergewöhnlicher militärischer Stratege und Feldherr, dessen taktisches Geschick und Kampffähigkeiten ihm den Titel „Das Schwert Allahs“ einbrachten. Seine Geschichte zeigt einen bemerkenswerten Lebensweg vom Gegner des Islam zu einem seiner größten Verteidiger.

Herkunft und frühe Jahre

Khalid ibn al-Walid wurde 585 n. Chr. in eine wohlhabende mekkanische Familie hineingeboren. Sein Vater al-Walid war ein sehr reicher Mann, was seinen Söhnen ermöglichte, sich voll auf die Kriegskunst zu konzentrieren.

Schon von klein auf wurde Khalid von seinem Vater in der Kriegskunst unterrichtet:

  • Er lernte reiten und jagen
  • Er trainierte mit jungen Pferden
  • Er wurde mit allen Arten von Waffen vertraut gemacht
  • Er beherrschte das Kämpfen in der Wüste wie kein anderer

Khalid wuchs zu einem großen, muskulösen Mann mit breiten Schultern heran. Seine Gedanken kreisten ständig um Kampf, Waffen und den Sieg auf dem Schlachtfeld.

Vom Gegner zum Anhänger des Islam

Als Muhammad verkündete, ein Prophet Allahs zu sein, gehörte Khalid zu seinen Gegnern. Er kämpfte wie die meisten Mekkaner gegen den Propheten und seine Gefährten.

In der Schlacht von Uhud nutzte Khalid, damals auf Seiten der Mekkaner, einen taktischen Fehler der Muslime. Als etwa 40 muslimische Bogenschützen ihre Position verließen, erkannte Khalid die ungeschützte Flanke und führte einen erfolgreichen Angriff, der den Muslimen schwere Verluste zufügte.

Nach dem Vertrag von Hudaibiya begann Khalid, über sein Leben nachzudenken. Zwei Monate nach der Pilgerfahrt des Propheten überlegte er, den Islam anzunehmen. Er erkannte:

„Für jeden intelligenten Menschen ist es offensichtlich, dass Muhammad weder ein Dichter noch ein Magier ist, wie die Quraisch behaupten. Seine Botschaft ist wahrlich göttlich. Es ist für jeden vernünftigen Menschen verpflichtend, ihm zu folgen.“

Im achten Jahr nach der Hidschra nahm Khalid den Islam an und reiste nach Medina, wo er auf den Propheten traf. Unterwegs begegnete er Amr ibn al-As und Uthman ibn Talha, die das gleiche Vorhaben hatten.

Der Übertritt dieser drei bedeutete für die Muslime einen wichtigen Sieg und militärische Stärkung. Khalid war zu diesem Zeitpunkt etwa 43 Jahre alt.

Khalid als militärischer Befehlshaber

Einige Monate nach seiner Ankunft in Medina erhielt Khalid die Gelegenheit, als Befehlshaber der islamischen Armee zu dienen.

Die Schlacht von Muta

Die Schlacht von Muta markierte einen Wendepunkt. Der Prophet hatte eine Armee von 3.000 Mann unter der Führung von Zaid ibn Haritha entsandt. Für den Fall seines Todes sollte Jafar ibn Abi Talib die Führung übernehmen, und wenn auch er fiele, Abdullah ibn Rawaha.

Als die Muslime erfuhren, dass der römische Kaiser Heraklius mit 100.000 Soldaten auf sie wartete, herrschte Nervosität. Doch Abdullah ibn Rawaha motivierte die Truppen mit den Worten:

„Männer kämpfen nicht mit der Anzahl oder den Waffen, sondern mit dem Iman (Glauben). Wenn wir in die Schlacht ziehen, haben wir die Wahl zwischen zwei ruhmreichen Alternativen: Sieg oder Märtyrertum.“

In der Schlacht fielen alle drei vom Propheten ernannten Befehlshaber. In dieser kritischen Situation wurde Khalid zum neuen Befehlshaber gewählt.

Khalid übernahm das Kommando und brachte wieder Ordnung in die Reihen der Muslime. Statt sich zurückzuziehen, entschied er sich für einen mutigen Angriff, um den Feind aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Nach einem harten Tag des Kampfes nutzte Khalid die Nacht für eine brillante Taktik: Er positionierte seine Männer so, dass sie zahlenmäßig in den Augen ihrer Gegner mehr erschienen. Die Byzantiner wurden verunsichert und glaubten, dass die Muslime Verstärkung erhalten hätten. Diese Täuschung führte dazu, dass die römische Armee das Schlachtfeld verließ.

Khalid sagte später:

„Am Tag von Muta waren neun Schwerter in meiner Hand gebrochen, und nur ein jemenitisches Schwert blieb in meiner Hand.“

Khalids Rolle nach dem Tod des Propheten

Nach dem Ableben des Propheten diente Khalid als Militärkommandant unter dem Kalifen Abu Bakr. Er half dem damaligen islamischen Staat, sich zu vergrößern und zu stabilisieren.

Unter seiner Führung als Feldherr fielen alle Länder des Nahen Ostens unter islamische Herrschaft. Er gilt als einer der größten Generäle in der Geschichte der Menschheit und einer der wenigen, die nie eine Schlacht verloren haben.

Khalids Tod und Vermächtnis

Khalid starb im Jahr 642 n. Chr. (21 nach der Hidschra) in Homs, Syrien, wo er auch begraben liegt. Er starb in seinem Bett und nicht auf dem Schlachtfeld, was ihn zutiefst betrübte.

Auf seinem Totenbett sagte er:

„Ich habe an so vielen Schlachten teilgenommen, um als Märtyrer zu sterben, und es gibt keine Stelle an meinem Körper, die nicht von einem Speer oder Schwert getroffen worden wäre. Und doch bin ich hier und sterbe auf meinem Bett wie ein Kamel. Mögen die Augen der Feiglinge keine Ruhe finden.“

Vielleicht liegt hierin die Weisheit Allahs, denn so konnte niemand behaupten, er habe Khalid ibn al-Walid, das „Schwert Allahs“, auf dem Schlachtfeld besiegt.

Eine Inspiration für heute

Der islamische Staat brachte einst mutige Generäle und eine gefürchtete Armee hervor, die nur nach dem Wohlgefallen Allahs strebte. Heute leben wir im Schatten dieser ruhmvollen Tage.

Der Wunsch nach Helden wie Khalid ibn al-Walid ist stärker denn je. Allah hat versprochen, dass sich die Geschichte ändern wird, und wenn Allah etwas verspricht, dann hält er sein Versprechen.

„O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr Allahs Sache helft, so wird Er euch helfen und euren Füßen festen Halt geben.“ (Koran, 47:7)

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