Zu den Zeichen der Endzeit im Islam gehören die Völker von Ya’juj und Ma’juj (Gog und Magog). Sie sind heute hinter einer unüberwindbaren Barriere eingesperrt, aber eines Tages werden sie ausbrechen und Unheil auf der Erde verbreiten. Wer sind diese Völker? Woher kommen sie? Und was wird geschehen, wenn sie freigelassen werden?

Wer sind Ya’juj und Ma’juj?

Ya’juj und Ma’juj sind definitiv Nachkommen von Adam. Dies geht aus einem Hadith bei Bukhari hervor, in dem Allah zu Adam sagt:

„Oh Adam, schicke einen Teil deiner Nachkommenschaft in die Hölle.“

Adam fragt daraufhin: „Was ist der Anteil meiner Nachkommenschaft, die in die Hölle gehen wird?“

Allah antwortet: „Von 1000 kommen 999 in die Hölle.“

Diese Aussage schockierte die Sahaba (Gefährten des Propheten). Als der Prophet dies an ihren Gesichtern erkannte, sagte er:

„Von Ya’juj und Ma’juj 999, und von euch einer.“

Dies zeigt, wie unglaublich groß die Anzahl von Ya’juj und Ma’juj ist.

Es gibt Berichte, dass wenn einer von ihnen stirbt, er tausende Nachkommen hinterlässt. Sie vermehren sich also in enormem Ausmaß.

Das Ausbrechen von Ya’juj und Ma’juj

Allah sagt im Koran:

„Bis die Sperrmauer von Ya’juj und Ma’juj geöffnet wird, und sie von jeder Anhöhe schnell herbeilaufen.“ (21:96)

In einem Hadith bei Muslim heißt es, dass nachdem Isa (Jesus) den Dajjal (Antichristen) tötet, Allah ihm Folgendes offenbaren wird:

„Ich habe Meine Diener freigelassen. Keiner hat eine Chance gegen sie. So gehe mit Meinen Dienern zum Berg Tur.“

Isa wird also mit den Gläubigen zum Berg Tur in Palästina gehen, um sich vor Ya’juj und Ma’juj zu schützen.

Die Armee von Ya’juj und Ma’juj wird in solchen Massen marschieren, dass als sie an einem See in Palästina (dem See Tiberias) vorbeikommen, sie komplett austrinken werden. Die ersten werden trinken, und wenn die letzten der Armee ankommen, werden sie sagen: „Hier gab es einmal Wasser.“

Dies zeigt die enorme Anzahl dieser Völker und ihren abnormalen Durst.

Die Belagerung der Gläubigen

Ya’juj und Ma’juj werden die Gläubigen umzingeln und belagern. Dies wird unter der Führung von Isa ibn Maryam (Jesus) geschehen. Die Zeiten werden so hart sein, dass der Kopf eines Ochsen für die Gläubigen wertvoller sein wird als 100 Dinar zur Zeit des Propheten – eine gewaltige Summe.

Isa und die Gläubigen werden Dua (Bittgebete) machen, und Allah wird daraufhin Insekten schicken, die in die Nacken von Ya’juj und Ma’juj eindringen und sie töten werden. Sie werden alle gemeinsam sterben, als wäre es der Tod einer einzelnen Person.

Wenn Isa und seine Anhänger dann vom Berg herabsteigen, werden sie keine Fläche finden, die nicht von den verwesten Körpern bedeckt ist. Der Gestank wird überall sein.

In dieser schwierigen Situation werden Isa und seine Nachfolger erneut Dua machen. Allah wird große Vögel senden, deren Nacken so groß wie die von Kamelen sein werden. Diese Vögel werden die Leichen forttragen und entsorgen, wohin Allah es möchte.

Anschließend wird Allah einen Regen senden, der die Erde reinigen wird, bis sie wie ein Spiegel aussieht. Dieser Regen wird so heftig sein, dass kein Haus unberührt bleibt.

Die Barriere, die Ya’juj und Ma’juj zurückhält

In einem Hadith bei Tirmidhi (der allerdings umstritten ist) heißt es, dass Ya’juj und Ma’juj jeden Tag an der Barriere graben, die sie zurückhält. Wenn sie kurz davor sind, sie zu durchbrechen, sagt ihr Anführer: „Wir machen morgen weiter.“ Am nächsten Tag stellen sie fest, dass Allah die Barriere in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt hat, sodass sie von vorne beginnen müssen.

Dies wird so lange weitergehen, bis Allah ihnen erlaubt, auszubrechen. An jenem Tag wird ihr Anführer sagen: „Wir machen morgen weiter, in sha Allah (so Allah will).“ Und wenn sie am nächsten Tag zurückkehren, werden sie die Barriere im gleichen Zustand vorfinden und können sie durchbrechen.

Dhul-Qarnayn und der Bau der Barriere

Aber was ist das für eine Barriere, und wer hat sie gebaut? Die Geschichte geht auf einen mächtigen Herrscher namens Dhul-Qarnayn zurück.

Wer war Dhul-Qarnayn?

Dhul-Qarnayn (wörtlich „der mit den zwei Hörnern“) wird im Koran in Surah Al-Kahf erwähnt. Er war einer der mächtigsten vier Männer, die je existiert haben. In einer Überlieferung heißt es, dass nur vier Leute die gesamte Erde beherrscht haben: zwei Gläubige und zwei Ungläubige. Die zwei Gläubigen waren Sulaiman ibn Dawud (Salomo, der Sohn Davids) und Dhul-Qarnayn.

Es gibt Diskussionen darüber, ob Dhul-Qarnayn ein Prophet war, ein rechtschaffener Mann oder sogar ein Engel. Es gibt Indizien dafür, dass er ein Prophet war, aber keine eindeutigen Beweise.

Dhul-Qarnayn beherrschte die komplette Welt. Wenn er auf ein Volk traf, rief er es zu Allah. Wenn das Volk seinem Ruf folgte, schützte er es. Wenn nicht, bestrafte er es hart, nahm seinen Besitz und ließ die Männer in seiner Armee mitkämpfen.

Die Reisen des Dhul-Qarnayn

Der Koran beschreibt, wie Allah Dhul-Qarnayn Macht auf der Erde gab und ihm Wege eröffnete. Er reiste in drei Richtungen:

  1. Zum Sonnenuntergang (Westen): Er erreichte einen Ort, wo es schien, als würde die Sonne in einer schlammigen Quelle untergehen. Dort fand er ein Volk vor. Allah gab ihm die Wahl, sie zu bestrafen oder gütig zu behandeln.
  2. Zum Sonnenaufgang (Osten): Er fand ein Volk, das keinen Schutz vor der Sonne hatte – keine Häuser, keine Bäume, möglicherweise nicht einmal Kleidung.
  3. Zum Norden: Er erreichte einen Ort zwischen zwei Bergen, wo er ein Volk fand, das „beinahe kein Wort verstand“ – möglicherweise aufgrund ihrer Isolation.

Der Bau der Barriere

Bei seiner dritten Reise (zum Norden) traf Dhul-Qarnayn auf ein Volk, das in einer bergigen Region lebte, wahrscheinlich in der Gegend von Aserbaidschan. Dieses Volk klagte über Ya’juj und Ma’juj, die hinter den Bergen lebten und Unheil auf der Erde stifteten. Sie baten Dhul-Qarnayn, eine Barriere zwischen ihnen und Ya’juj und Ma’juj zu errichten, und boten ihm Geld dafür an.

Dhul-Qarnayn lehnte das Geld ab und sagte:

„Was mein Herr mir ermöglicht hat, ist besser. So helft mir mit eurer Arbeitskraft, damit ich zwischen euch und ihnen einen aufgeschütteten Wall errichte.“

Er forderte sie auf, Eisenstücke zu bringen, die er zwischen den Bergen aufschichtete. Als der Wall die Höhe der Berge erreichte, ließ er ein Feuer entfachen, um das Eisen zum Glühen zu bringen, und goss dann geschmolzenes Kupfer darüber.

So entstand eine unüberwindbare Barriere, die Ya’juj und Ma’juj weder überklettern noch durchbrechen konnten. Dhul-Qarnayn sagte:

„Das ist eine Barmherzigkeit von meinem Herrn. Wenn dann das Versprechen meines Herrn eintrifft, lässt Er ihn in sich zusammensinken. Und das Versprechen meines Herrn ist wahr.“

Die Schönheit des Koran zeigt sich in der Beschreibung der Barriere: „So konnten sie ihn weder überwinden (yatharūhu) noch konnten sie ihn durchbrechen (naqban).“ Das Wort für „überwinden“ ist einfacher als das für „durchbrechen“, was die zunehmende Schwierigkeit widerspiegelt – es ist einfacher, eine Mauer zu überklettern als sie zu durchbrechen.

Teilen